Ehrenurkunde des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für Unternehmer Johann Stein

ROTHENBURG LAND – Ehre wem Ehre gebührt. Wer ausbildet, trägt eine große gesellschaftliche Verantwortung. Das Ergebnis der Bemühungen des Unternehmers Johann Stein (76) zeigt sich am Erfolg des in Wachsenberg beheimateten Familienbetriebes, zu dem die Mitarbeiter mit ihrer Qualifikation und Bindung an die Firma beitragen. Für seinen jahrzehntelangen Einsatz bei der betrieblichen Ausbildung junger Menschen erfuhr der Seniorchef jetzt eine hohe Würdigung.

Kreishandwerksmeister Kurt Held aus Dietenhofen und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westmittelfranken, Richard Ehnes, sein Vater stammt aus Oestheim, waren nach Wachsenberg gekommen, um Johann Stein ihre Aufwartung zu machen. Ihnen oblag die ehrenvolle Aufgabe, eine von Staatsministerin Ilse Aigner unterzeichnete Ehrenurkunde zu überreichen, mit der das Bayerische Wirtschaftsministerium die hohen Verdienste um die Ausbildung in der gewerblichen Wirtschaft würdigt.

Die Förderung junger Nachwuchs- und Fachkräfte gehört zur Lebensleitung des Architekten und Prokuristen Johann Stein. Im Alter von 19 Jahren übernahm er mit vier Mitarbeitern das Bauunternehmen seines Vaters, der es 1938 gegründet hat, und war damit auch mit der Lehrlingsausbildung betraut. Ein wichtiges Element zur Nachwuchsgewinnung. Kurt Keitel aus Wachsenberg, Erich Joksch aus Reichardsroth und Rudolf Glas aus Neusitz waren seine ersten Lehrlinge. Damals ahnte keiner der Beteiligten, dass mit dem Dritten im Bunde der Grundstein für eine besondere Karriere gelegt wurde. Gefördert von seinem Mentor Johann Stein brachte es Rudolf Glas bis zum Maurermeister. Nach fast fünfzehn Jahren bei der Firma Stein wechselte der Neusitzer in den öffentlichen Dienst.

Übergabe der Ehrenurkunde
Ehrenurkunde Bayerisches Staatsministerium

Auszeichnungen und Preise

Die persönliche Beziehung blieb und wurde auf politischer Ebene als Parteifreunde im Neusitzer Gemeinderat fortgeführt, dem beide angehörten. Johann Stein war von 1990 bis 2002 zweiter Bürgermeister und trug mit dazu bei, dass sein ehemaliger tüchtiger Mitarbeiter als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Neusitz lenkt – unangefochten seit fünfzehn Jahren. Der Amtsinhaber durfte deshalb an der Feierstunde im lockeren Rahmen zu Ehren seines früheren Chefs nicht fehlen und gratulierte herzlich zu einer stolzen Bilanz.

Über achtzig Lehrlinge hat Johann Stein im Laufe seines beruflichen Lebens ausgebildet. Unternehmensnachfolger Christian Stein setzt diese Tradition fort. Voller Anerkennung verwies der Vater auf seinen tüchtigen Sohn: „Er macht sein Sache gut. Ich bin stolz auf ihn.“ Seit 1994 besteht neben dem Bauunternehmen das Ingenieurbüro Stein. Damit erweiterte sich auch das Spektrum an Ausbildungsberufen: Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer, Bauzeichner, Bürokaufleute. Der Unternehmensverbund hat bis zum heutigen Tag etwa hundert Fachkräfte ausgebildet, darunter Kammer- oder Innungssieger. Viele davon wurden nach der Ausbildung in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Das Unternehmen zielt darauf ab, ein tüchtiges Stammpersonal heranzubilden und einer Fluktuation entgegenzuwirken. Die Bauwirtschaft hat einen hohen Personalbedarf an qualifizierten Mitarbeitern, die dem Unternehmen hochwertige Arbeiten gewährleisten.

Inzwischen wurde im Unternehmen ein eigenes Ausbildungsteam installiert, dem neben den beiden Prokuristen Rudolf Rauch und Stefan Böckler auch die verantwortlichen Mitarbeiter Steffen Heidingsfelder und Franziska Eberlein angehören. Die Gruppe kümmert sich um alle Angelegenheiten der Ausbildungsförderung.

Jugend wirbt für Nachwuchs

In Zeiten des Nachwuchsmangels durch den demografischen Wandel mit zurückgehender Zahl der Schulabgänger beschreitet das Unternehmen neue Wege, um für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. Erstmals beteiligte man sich mit einem als Baustelle inszenierten Messestand auf der Orientierungsmesse der Bauakademie Feucht­wangen. Diese neue Art der Präsentation kam gut an. Das junge Publikum konnte beim Mauern und Einschalen zuschauen oder selbst Hand anlegen unter Anleitung der beiden Nachwuchskräfte Bernd Kohr (jetzt Jungegeselle) und Stefan Michalowski (Geselle). Nach getaner Arbeit wurde das gemeinsame Vesper im Bauwagen eingenommen.

Christian Stein gehört auch zum Kreis Rothenburger Unternehmer, die Flüchtlingen die Möglichkeit bieten, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Voraussetzung für eine tragfähige Basis sind die nötigen Sprachkenntnisse. Wenn man sich beispielsweise den Arbeitsschutz und die Sicherheitsvorschriften auf Baustellen vor Augen führt, ist das einleuchtend. Bei einem Praktikum im Unternehmen hinterließ ein anerkannter Flüchtling aus dem Kriegsgebiet Syrien einen so guten Eindruck, dass er einen Arbeitsvertrag als Maschinist bekam.

Aktuell beschäftigt das Familienunternehmen 65 Mitarbeiter und investiert in die betriebliche Entwicklung. Die Schlosserei auf dem Firmengelände zur Wartung und Reparatur von Maschinen wird erweitert und mit dem Einbau eines Einträgerlaufkrans mit zehn Tonnen Tragkraft versehen – zum Bewegen schwerer Lasten innerhalb der Werkstatt. sis